Das Kommende spottet jeder Beschreibung

An einem lauen Sommerabend begab es sich, dass sich ein Dutzend wackere, abenteuerlustige Helden... nein stop, anders...

An einem lauen Sommerabend begab es sich, dass sich ein Dutzend wackere, abenteuerlustige (wahlweise Substantiv einfügen wie "Nichtskönner", "Flachzangen", "Irre") an einem Tisch zusammenfanden, um unter den wachsamen Augen eines sadistischen Meisters eine Reise ins Ungewisse zu wagen...

Wie das Unheil seinen Lauf nahm: Zunächst gab es da eine Idee. Eine Idee, die ihre Umsetzung prompt fand, indem besagter Meister und sein Meisterlehrling die Führung übernehmen und unser Dutzend an wahnsinnigen "Helden" ins Reich vom "Schwarzen Auge" entführen sollten. Allein die Einführung ließ die Köpfe bereits rauchen... aber frei nach dem Motto "learning by doing" (und ganz ehrlich, ohne überhaupt einen Gedanken daran zu verschwenden, ob eigentlich etwas schief gehen könnte... oder war es das bereits akzeptierte Resignieren, dass jeder schon von Beginn an wusste, es würde so oder so im Chaos enden, dass uns unbedarft an die Sache herangehen ließ?) ließen wir uns entführen in eine Welt der Monster, Elfen, Drachen, Orks und Zwerge. Ach und Tentakelmolche - oder wie das Teil genannt wurde. Unangenehme Begegnung... dazu später mehr. Der Übersicht wegen wurde unser Dutzend in die Hälfte geteilt. Nun, auch ein Meister hat seine Grenzen. Sechs Bekloppte an einem Tisch zu managen scheint an Folter knapp vorbei zu streifen...


Gruppe eins, bestehend aus Sturmbringer/Silence (Meister), Jahira (Elfe, Wildnisläufer), Chifuq (Amazone), Leliana (Amazone), Sir Callahan (Mittelländer, Rondra-Geweihter), Hammerfaller (Zwerg, Drachenkrieger) und Millerna (Elfe, Legendensängerin).


Gruppe zwei, bestehend aus DarthEidolon (Meister), Tachauch (Elfe, Zauberweber), Caighleigh (Mensch, Druide), Susaru (Zwerg, Drachenkrieger), Ahkuna (Zwerg, Drachenkrieger), Milena (Elf, Wildnisläufer) und Bruder Tac (Thorwaler, Seekrieger).


Die Namen der Charaktere wurden von uns deshalb in die Forennamen umbenannt, um besser zuordnen zu können, um wen es sich im Einzelnen handelt. Danke für euer Verständnis!


Gruppe eins: Hairstylist Hammerfaller oder auch: Wie "Packo das Packpferd" sie alle überlebte


Gerade einmal vier Jahre ist es her, dass es gelungen ist, die Orks zu vertreiben - am Rand der sogenannten Orkschädelsteppe beginnt das Abenteuer der sechs Helden, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Unter der Führung des Rondra-Geweihten Sir Callahan finden sich zwei Amazonenschwestern, die sich bis aufs Haar gleichen, zwei Elfenfrauen und ein grobschlächtiger, pragmatischer Zwerg. Während der Mittelländer eine leicht gebräunte Haut und dunkelblondes Haupthaar aufweist, durch das die strahlend blauen Augen umso auffälliger wirken, fällt es schwer, die Amazonen voneinander zu unterscheiden: Ebenfalls gebräunte Haut, langes, braunes Haar zum Teil geflochten und wilde, grüne Augen die mit offenkundiger Geringschätzung einem jeden Mann begegnen. Dazu die drahtige, muskulöse Figur, die einen krassen Gegensatz zu den Elfinnen bildet mit ihren hochgewachsenen, hellhäutigen, schlanken Körpern: Die eine hellblond mit wachsamen, blauen Augen die um die Iris goldene Sprenkel aufweisen und die andere mit Augen einer Farbe wie Bernstein, funkelnd neben wallendem, schwarzen Haar das in der Mittagssonne glänzt. Gerade einmal halb so groß, dafür wohl aber doppelt so gefährlich, der Drachenkrieger: Geballte Zwergenkraft komprimiert auf knapp dreizehn Hand breit verpackt in einen braungrauen Hautton, graues Haar das unterm Helm wirr hervorquillt und teilweise in den langen, prächtig geflochtenen Bart einfließt mit kampflustigem Blick aus zwei tiefgrünen Augen. Was eine solche Truppe zusammenführt, möchtet ihr wissen?

Beim Zwerg ist dies noch relativ einfach zu beantworten: Gold! Wo Münzen locken, ist der Krieger nicht weit. Die Amazonen folgen dem Rondra-Geweihten, um ihrer Göttin einen Dienst zu erweisen und ihre Gunst zu erlangen: Eine Jagd auf verlorene Relikte soll es sein, zu der der Geweihte aufgerufen hat. Und die Elfen? Der weltliche Besitz kümmert sie wenig, dafür ist ihnen die Aussicht auf die Tilgung einiger Orks zum Wohle ihrer geliebten Natur ein umso triftigerer Grund, den anderen auf ihrer Reise zu folgen.

So kommt es, dass der zusammengewürfelt wirkende Trupp durch die abgeholzte Steppe zieht - unter großem Gejammer der Elfinnen, die wegen fast jedem zerstörten Pflänzchen einen Beinahe-Nervenzusammenbruch erleiden, zumindest jedoch stetig seufzen und schniefen, wenn die Spuren der Verwüstung durch die Orks deutlicher werden. Gerade, als Leliana in Gedanken einen Plan ausheckt, wie sie die beiden Frauen und ihr Geheule am besten loswerden könne, stoppt Hammerfaller mit in die Ferne gerichtetem Blick, den alle bis auf Chifuq bemerken, aber nicht weiter beachten. Der Zwerg stapft voraus, während der Rest der Gruppe überlegt, ein Lager aufzuschlagen. Hammerfaller indes folgt dem Glitzern in der Felswand, das seine Aufmerksamkeit erregt hat. Dort angekommen, entdeckt er Spuren - eindeutig die von Orks, wie er von Jahira erfährt, nachdem er den Rest der Gruppe zu sich gerufen hat. "Etwa sechs oder acht müssen es gewesen sein", informiert sie die Wildnisläuferin mit leicht gerümpfter Nase. Allein der Gedanke an diese widerwärtigen Kreaturen lässt sie die Faust ballen. Sie hätte nicht übel Lust, den Kreaturen ein wenig von ihrer Behandlung der Natur gegenüber zurückzugeben. Da bückt sich plötzlich Leliana und hebt ein Kleinod auf - ein grüner Stein, eingefasst in Silber mit einer langen Kette daran. Neugierig betrachtet sie ihn und reicht ihn an Sir Callahan: "Ist dies eins Eurer Relikte, nach denen wir suchen?" "Nunja... nein. Es ist magisch, aber hat nichts mit Rondra zu tun." Ratlos reicht er es weiter, als Hammerfaller die Hand ausstreckt. "Ich weiß was das ist", sprudelt es aus dem Zwerg heraus. "Das ist ein Seelenstein - ein Zwergenseelenstein!" Man hört ihm die Aufregung an und sie diskutieren ihr weiteres Vorgehen. Schnell wird klar, dass sie den Spuren folgen und dem Zwerg helfen wollen, der sich offenkundig in großer Not befinden muss. Einen Seelenstein gibt niemand freiwillig her!

Geführt von Jahira folgen sie den Spuren, die aus dem Tal hinauslaufen und in Richtung der Berge zu führen scheinen - einzig Chifuq bleibt etwas zurück, als sie kopfschüttelnd an den Zügeln des Packpferdes zieht, um es zum Mitkommen zu bewegen. "Wenn die mich nicht hätten, stünden sie in wenigen Augenblicken ohne Ausrüstung und Verpflegung da...", brummt sie missmutig. Kurz darauf scheint den anderen doch aufzufallen, dass etwas fehlt, denn sie drehen sich wie ein Mann um und es legt sich Erleichterung über ihre Gesichter, als sie die Amazone mit Packo entdecken, der pflichtbewusst hinter ihr hertrottet. Da haben wir uns noch kurze Zeit vorher über den Namen gestritten und schon vergessen wir den armen Kerl fast, denkt sich Leliana und lächelt ihre Schwester entschuldigend an.

Bis es Abend wird läuft die Gruppe der Spur hinterher - an einem kleinen Wäldchen am Fuß der Berge angekommen, beschließen sie zu rasten. Die große Wurzel eines umgestürzten Baumes nutzen sie zum Schutz vor Wind und Wetter. Unter den wachsamen Blicken der Elfen, die Leliana nur noch achselzuckend und mit einem verächtlichen Schnaufen abtut, sammelt sie Feuerholz und bringt es dem Zwerg, der sich daran macht, eine wärmende Flamme für die kommende Nacht zu entfachen. Sir Callahan schickt seine Gefährten zur Ruhe, während er die erste Wache übernimmt. Eine innere Stimme scheint sich seiner zu bemächtigen und ihm sagen zu wollen, er solle auf etwas Acht geben... dem müden Rondra-Geweihten entgeht jedoch die Gelegenheit, seine Umgebung genauer zu beobachten, kommt doch der Wachwechsel in wenigen Momenten wie gerufen. Also weckt er kurz darauf den Zwerg, der mürrisch und ohne viel Begeisterung seinen Dienst antritt. Gelangtweilt stochert er im Feuer und brummt hin und wieder missmutig in seinen Bart. Da läuft ihm plötzlich ein Schauer über den Rücken. Er horcht auf, hebt den Kopf und sieht im Augenwinkel einen Schatten...

"ALARM! ANGRIFF! AUFSTEHEN!" Mit Gezeter und Getöse, während er Pfanne und Topflöffel gegeneinander schlägt und damit dem Geräuschpegel eines Gewitters ernsthafte Konkurrenz macht, reißt er das gesamte Lager von den Schlafstätten - die Amazonen springen kampfbereit mit Schild und Säbel auf, der gerade eingedöste Sir Callahan sendet bereits ein Stoßgebet an Rondra, Millerna streicht sich verschlafen die Haare aus dem Gesicht und Jahira starrt den Zwerg ungläubig und entnervt an, der immer noch wild die Kochutensilien gegeneinander hämmert als wolle er eine Axt schmieden. "Ihr weckt uns auf, weil sich eine Hirschkuh an unser Lager geschlichen hat?!", fragt die Elfe angesäuert. Im Gebüsch weit entfernt hört sie es noch Rascheln, während das verstörte Tier das Weite sucht.

"Bei Rondra , Zwerg! Wenn ich jetzt schon wach bin, kann ich auch gleich meine Wache antreten", ächzt Leliana resigniert und überhört zum Glück die folgenden Worte des Kriegers: "Na hat doch geklappt! Endlich weiterschlafen!"

Tief in der Nacht versucht also die Amazone, ihre aufgeriebenen Nerven zusammenzubekommen. Das unsanfte Wecken scheint sie empfindlich gemacht zu haben; sie hat auf einmal das Gefühl, beobachtet zu werden. Ihre Sinne können den Verdacht jedoch nicht bestätigen, und so berichtet sie einzig ihrer Schwester am nächsten Morgen von dem unguten Gefühl.

"Wenn Ihr mehr solcher Eindrücke habt, solltet Ihr sie wohl besser mit uns teilen", erklingt es hinter ihr Jahira, die ein herausragendes Gehör ihr Eigen nennt, hat die geflüsterten Worte natürlich ebenfalls vernommen.

"Wenn es mehr als nur ein vager Verdacht ist, werde ich das tun", versichert ihr Leliana, die der Elfe noch nicht ganz über den Weg traut.

Derweil schleicht sich Sir Callahan zu Hammerfaller: "AUFSTEHEN!", ruft er laut und beginnt mit einer Kakophonie kräftiger Trommelschläge, wie sie der Zwerg vor wenigen Stunden auf die Gruppe hat niederregnen lassen.

"Was soll der Lärm?!", grunzt er verschlafen und reibt sich die Augen.

"Unser Proviant reicht vielleicht nicht, je nachdem wie weit uns die Spur führt...", merkt unterdessen Leliana an und sie schauen sich fragend an. "Eventuell sollten wir uns auf die Jagd begeben, bevor wir aufbrechen."

"Wir haben Packo", kommt es von Hammerfaller, der dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen bereits die besten Stücke des Pferdes in Gedanken verarbeitet. Eine Reihe von ungläubigen, entsetzten und angewiderten Gesichtern starrt ihm entgegen und abzüglich einer Gegenstimme beschließen sie, die beiden Elfen auf die Jagd zu schicken, während der Rest das Lager räumt.

Schleichend begeben sich Jahira und Millerna auf die Suche nach einer lohnenden Beute, als ihnen die Spur eines Hirschs ins Auge fällt. Es gelingt ihnen sogar, sich bis auf vierzig Meter an diesen heranzupirschen. Da unterläuft der ungeduldigen Wildnisläuferin ein entscheidender Fehler: Sie zückt bereits Pfeil und Bogen, ohne zuvor die Windrichtung ermittelt zu haben. Natürlich wittert sie der Hirsch und entkommt. Ob es nun die Sorge war, so schnell wie möglich mit einem guten Fang zum Lager zurückzukehren, damit der Zwerg nicht doch in ihrer Abwesenheit mit dem Zerlegen ihres Packpferds begonnen hat, oder sie einfach noch nie ihr eigenes Wild erlegen musste - Jahira ärgert sich über sich selbst und flucht vor sich hin, dass ihr solch ein dämlicher Anfängerfehler unterlaufen ist. Dadurch entgeht ihr auch die herannahende Gefahr, der Millerna im letzten Moment ausweichen kann - sie hingegen nicht. Eine Rotte von Wildschweinen kreuzt ihren Weg, aufgescheucht von irgendetwas. Millerna rettet sich auf einen Baum, Jahira versucht auszuweichen - und bleibt an einer Wurzel hängen. Drei der größten, erwachsenen Tiere überrennen die zierliche Elfe, die unter Schmerzen keuchend zu Boden geht. Ihr rechter Arm pocht und sticht, die Stellen, an denen die Hufe sie getroffen haben, fühlen sich heiß und ziehend an. "Aaahhh... Hilfe...", wispert sie. Schnell wird ihr klar, dass sie Glück gehabt und keine blutenden Wunden davongetragen hat. Ihre Sinne kehren allmählich zurück - aber wo ist Millerna?

Ohne weiter darüber nachzudenken, wie die beste Vorgehensweise wohl sein könnte, sprintet die andere Elfe kurz nachdem die Wildschweine außer Sicht sind los und sucht nach Kräutern, um ihrer Gefährtin zu Hilfe zu eilen. Bereits über zwei Stunden sind seit ihrem gemeinsamen Aufbruch vergangen und sie fragt sich, ob wohl der Rest der Gruppe schon nach ihnen sucht. Fahrig streift Millerna also durch das Unterholz, die rettende Idee, einen Zauberspruch nutzen zu können, um Jahira Linderung zu verschaffen, kommt ihr leider nicht. Bepackt mit Kräutern, aus denen sie einen Sud herstellen möchte, kehrt sie wenige Augenblicke später zu der noch immer am Boden kauernden Jahira zurück - und erkennt, dass diese keine Salbe oder ähnliches benötigt...

"Warum bist du einfach weggelaufen?", fragt die verletzte Elfe leise vorwurfsvoll. "Heil mich gefälligst!"

"Was ist denn hier passiert?", tönt es aus dem Unterholz, als endlich ihre Gefährten zu ihnen stoßen, die sich sorgenvoll auf die Suche nach den Elfen gemacht haben. Während Jahira zu entkräftet ist, um sich selbst zu heilen und Millerna weiterhin hilflos die nutzlosen Kräuter anstarrt, ergreift Leliana die Initiative und schient den verletzten Arm der Wildnisläuferin.

"Sieht so aus, als müssten wir doch Packo essen", meint der Zwerg achselzuckend und umschließt den Griff seiner Axt - lässt sie aber stecken, als ihm wieder böse Blicke zugeworfen werden.

"Du weißt schon, dass DU dann unser ganzes Zeug schleppen musst, oder?", fragt Chifuq herausfordernd.

"Beruhigt euch, wir haben noch mehr als genug Proviant!", hält Sir Callahan dagegen. "Wenn Jahira soweit ist, gehen wir weiter."

Als sie einige Zeit später den Firunswall erreichen, vereinfacht ihnen leichter Schnee die Spurensuche. An einem dünn bewaldeten Hang bleiben sie allerdings kurz stehen - ein einzelner Ork lässt sie innehalten.

"Da vorne!", macht Chifuq ihre Gruppe auf den Späher aufmerksam.

"Er ist unbewaffnet! Ihr dürft ihn nicht töten!", befiehlt Sir Callahan, der daraufhin eine Diskussion entfacht.

"Aber es ist ein Ork!", erwidert Jahira entsetzt.

"Dann... nehmen wir ihn gefangen", meint Millerna.

"Und wir verhören ihn?", fragt Leliana.

"Kann denn jemand Orkisch?", wirft Hammerfaller dazwischen.

"Nein", "Also ich nicht", "Ä-äh..."

"Leute, es hat sich erledigt! Der Ork ist abgehauen", ruft Jahira gereizt und zeigt auf den Rand des Hügels, wo jetzt nichts mehr zu sehen ist. Dafür hört sie in einiger Entfernung etwas... "Etwa vierzig Orks dürften gleich hinter uns her sein", berichtet sie trocken den verdutzten Gefährten, die ob ihrer hitzigen Debatte völlig vergessen haben, dass der Späher nicht auf den Ausgang ihres Gesprächs angewiesen war, um zu reagieren.

"Wir sollten Packo lieber nach Hause schicken, von hier an geht es steil bergauf", gibt ihnen Chifuq zu bedenken. Bis auf den sabbernden Zwerg, der nun endlich den Moment für einen saftigen Pferdebraten kommen sieht, schauen sie alle etwas wehmütig auf den treuen Vierbeiner, der ohne Murren bis hierher gekommen ist.

"Möge Rondra für deine sichere Heimreise sorgen und dir Schutz gewähren", segnet Sir Callahan das Tier, welches nun des Gepäcks entledigt wird. Kurzerhand belädt Chifuq den geifernden Zwerg mit allen Rucksäcken und Taschen, der nur ein dumpfes "Heee!" zum Protest vorbringen kann.

Dann machen sie sich eilends auf den Weg, dem Trupp von Orks, dem sie zahlenmäßig mehr als unterlegen sind, zu entfliehen. Da sie nicht wissen, wie viel Vorsprung sie haben, rennen sie so schnell sie ihre Füße tragen. Das unwirtliche Gelände und die immer weiter ansteigenden Wege mit der stetig dünner werdenden Luft fordern jedoch bald ihren Tribut. Die Helden sehen Funken vor ihren Augen tanzen und ringen nach Atem. Ob sie bereits ein, zwei oder noch mehr Stunden auf der Flucht sind, kann keiner von ihnen genau sagen.

"Hier ist ein Fußabdruck", ruft Sir Callahan seinen Gefährten zu, die daraufhin neuen Mut fassen. Sie scheinen zumindest der Spur des Zwergs weiterhin folgen zu können.

"Da vorne, es sieht so aus als würde dort ein Pfad entlangführen!", bemerkt Jahira, die ihre scharfen Augen entlang einer Felsspalte schweifen lässt. "Wenn wir uns beeilen, entkommen wir vielleicht!"

Gesagt, getan, die Gefährten mobilisieren ihre letzten Kraftreserven. Jetzt jedoch, im ungünstigsten aller Momente, werden Chifuq und Millerna von der Höhenangst gepackt.

Während Jahira es schafft, ihre Elfengefährtin zu überzeugen ihr zu folgen, fallen Leliana keine Argumente ein, die ihre Schwester zum Weitergehen animieren könnten. Indessen steht Sir Callahan ganz vorne und brüllt nach dem Zwerg, er solle gefälligst etwas tun - was genau werden wir nie erfahren, denn Hammerfaller befindet sich in diesem Moment hinter dem Rondra-Geweihten und hat nicht viel Zeit, sich seiner Verwirrung bewusst zu werden, lärmen die nahenden Orks doch dermaßen laut und bedrohlich, dass auch endlich die paralysierte Chifuq ihren Mut wiederfindet und den anderen über den schmalen, an manchen Stellen nur handbreiten Pfad über eine Schlucht folgt. Endlich entdecken sie eine Nische, durch die sie sich hindurchzwängen können - und stehen vor einer Sackgasse!

Bevor sich aber Verzweiflung breitmachen kann, entdeckt Hammerfaller einige grob behauene Steine aus der Wand herausragen, die ihnen den Weg scheinbar versperrt. Daran könnten sie hinausklettern und in Sicherheit gelangen!

Auf Anraten Chifuqs nutzen die Gefährten ihre Seile, um sich in Dreiergruppen aneinander zu binden und gegenseitig beim Aufstieg zu sichern. Dies erweist sich als mehr schlechte als rechte Vorsichtsmaßnahme - ohne weiter ihre Knoten zu überprüfen, beginnen sie den beschwerlichen Aufstieg. Einzig Millernas Abrutsch, der durch das beherzte Eingreifen der Amazonenschwestern verhindert wird, wäre glimpflich ausgegangen: Beim Losbinden, als sie das oben gelegene Plateau erreichen, fällt den anderen nämlich auf, dass ihre Knoten verdächtig locker gesessen haben. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch wenden sie sich einer Höhle zu, die in das Innere des Berges führt. Sir Callahan packt eine seiner Pechfackeln und entzündet diese, um voranzuschreiten. Ein sechs Schritt hoher und zwölf Schritt breiter Hohlraum befindet sich vor ihnen, an dessen Rückwand ein Tor aus seltsamem Metall den Weg versperrt. Allerdings steht es einen Spalt breit offen und scheint nicht sonderlich standhaft zu sein, wie die verrosteten Scharniere vermuten lassen.

"Ob es da weitergeht?", sinniert der Rondra-Geweihte, da schreiten bereits die Amazonen an ihm vorbei und drücken die schwere Metalltür einfach auf. Mit einem Achselzucken und einem leisen "Hmpf" auf den Lippen tritt Sir Callahan durch die Tür und bringt Licht ins Dunkel: eine etwas kleinere Kammer befindet sich vor ihnen, sodass die großgewachsenen Elfen gezwungen sind, sich zu ducken. Ihre Raumangst macht ihnen das nicht gerade einfach, Jahira ist die erste, die sich dazu überwindet den anderen zu folgen, erklingen vom Eingang der Höhle doch bereits wieder die verhassten Klänge heran nahender Orks. Sir Callahan, der immer mehr an Orientierungsschwierigkeiten zu leiden scheint, brüllt erneut in die falsche Richtung, sodass seine Überzeugungsversuche für Millerna unhörbar sind. Diese entschließt sich nun allerdings anders, so dass die Amazonen die Tür so weit schließen können, dass ein einfaches Eindringen der Schwarzpelze zumindest kurzzeitig verhindert werden kann. Eine unnötige Vorsichtsmaßnahme angesicht dessen, was als Nächstes passiert: Etwas weiter vorne, als Sir Callahan sich von seiner... nennen wir es Tourrette-Demenz erholt hat, beleuchtet er einen Hebel. Noch bevor irgendjemand reagieren kann oder die Frage auch nur denken, was besagter Mechanismus auslösen könnte, hat sich Hammerfaller scheinbar magisch neben selbigen teleportiert (es kann sich sonst keiner erklären, wie er so schnell dorthin gelangt ist) - und zieht natürlich einmal kräftig. Ein Rumpeln und Poltern erklingt, Staub wirbelt auf und eine Lawine von Steinen und Geröll verschüttet den Weg zurück. Tosender Beifall von den fünf übrigen Gefährten bleibt wundersamerweise aus.

Gezwungenermaßen ziehen sie weiter, ein enger Gang der ebenfalls zum Teil verschüttet ist, woran Hammerfaller vehement bestreitet, beteiligt gewesen zu sein, lässt sie verweilen. Sie müssen einige der Steine aus dem Weg räumen, um weiter zu kommen. "Ich hab nur EINEN Hebel gezogen!", beteuert der Zwerg erneut, als ihm böse Blicke zugeworfen werden.

Durch einen engen Durchlass müssen sie weiter: Spitze Felsen ragen rechts und links aus dem Gestein und erschweren das Vorankommen. Die Elfen haben erneut ihre Probleme, sich zu überwinden und selbst Leliana wird es etwas mulmig zumute - da werden die drei von Chifuq vorwärts geschoben. Jahira, die als Vorderste bemerkt, dass hinter ihr Kräfte wirken, derer sie sich nicht entziehen kann, entschließt sich, ihre Angst beiseite zu schieben und der Vernunft Vorrang zu gewähren - zurück käme sie ohnehin nicht weit. Davon beherzt folgt Millerna ihrer Elfenkameradin auf dem Fuße und auch Leliana, die der brachialen Gewalt ihrer ungehaltenen Schwester nicht trotzen möchte, macht sich daran, weiterzugehen.

Eine Kammer mit insgesamt acht Ausgängen breitet sich vor ihren Augen aus, in deren Mitte ein kleiner Hügel mit Erde aufragt. Eine Gewächskammer der Zwerge, wie Hammerfaller sie aufklärt. "War schon lang keiner mehr hier", bemerkt er. Das folgende Erkunden der Gänge macht ihnen klar, dass nur einer sie weiter ins Innere des Berges und somit hoffentlich zu einem anderen Ausgang führt. Nach einer kurzen Rast beschließen sie, eben jenem zu folgen.

Überschwemmungen, wie sie in einigen der anderen acht Gänge ihr Weiterkommen behindert haben, erschweren auch diesmal den Weg.

"Da hinten haben wir keine Chance, es muss hier irgendwie weiter gehen!", meint Jahira und stapft ungeduldig ins Wasser, um dessen Tiefe zu ermitteln. Nachdem sie festgestellt hat, dass es klüger gewesen wäre, nicht in voller Montur in das kalte Nass zu waten, gibt sie wenigstens ihren Gefährten den Tipp, zumindest die Beinkleider auszuziehen.

"Was heißt'n jetzt 'nicht so tief'"?, möchte der Zwerg wissen, als er die Aussage der Elfe auf seine Größe anrechnen will. Der leicht besorgte Gesichtsausdruck, der sich über ihr Antlitz legt als sie seine Bedenken zu verstehen beginnt, reicht Hammerfaller und er zieht sich bis aufs Untergewand aus, hält die Ausrüstung über den Kopf und watet los. "Ich hasse Wasser...", murmelt er genervt in seinen Bart.

"Weeeer hat den Hebel gezogen?", erinnert Leliana süffisant lächelnd hinter ihm.

Einige Male muss der murrende Zwerg von der Amazone aus dem Wasser gezogen werden, wenn der tückische Untergrund um ein paar Zoll tiefer wird und somit den Schimpftiraden des Bärtigen für kurze Zeit ein Ende setzt, nur, damit er seine Flüche nach dem Auftauchen umso inbrünstiger ausspeien kann - zusammen mit einem Schwall des kühlen Nass' aus der Bergquelle. Trotz oder gerade wegen dieser ständigen Unterbrechungen und dem erhöhten Sinn des Drachenkriegers für seine Umgebung, um nicht nach jedem Schritt vor dem Ertrinken bewahrt werden zu müssen, fällt es Hammerfaller als Einzigem auf; Riesige Tentakel bewegen sich drohend auf die Gruppe zu. Aus dem Dunkeln scheinen sie zu wachsen, tatsächlich aber brechen sie unter der Wasseroberfläche hervor, wie ihnen erschreckend bewusst wird, als Sir Callahan dem Aufschrei des Zwerges folgend seine Fackel anhebt um den Schein des Lichts so weit wie möglich auszunutzen.

"Scheiße...", entschlüpft es dem Rondra-Geweihten, gefolgt von einem diesmal deutlichen und sehr lauten: "RENNT!" Seiner eigenen Warnung folgend ist er der Erste, der das rettende Ufer schon fast erreicht hat, als ihm auffällt, dass hinter ihm bereits ein erbitterter Kampf ausgebrochen ist. Gleich nach Hammerfallers Schrei stellt sich nämlich Leliana schützend vor Millerna, die einen Zauber vorbereitet, nur um ihn auf Rufen des Anführers abzubrechen und doch die Flucht anzutreten - die von dem zwölfarmigen Widersacher vereitelt wird. Schnell ihren Flimmflamm verwendend, um überhaupt etwas getan zu haben, setzt Millerna ihren Rückzug fort. Jahira feuert einen Pfeil in Richtung des Ungeheuers - doch gerade bevor sie richtig zielen kann wird es stockduster. Mit einem beherzten Sprung zurück in die Tiefen ist Sir Callahan die Fackel entglitten, als er den im Tumult wortwörtlich untergegangenen Zwergenkrieger aus dem Wasser fischen will. Somit verfehlt der Pfeil sein Ziel, die Gruppe ist für einen kurzen Moment komplett orientierungslos - im Gegensatz zu dem Monster im Wasser...

Da zischt etwas - Hammerfaller hat es geschafft, eine zweite Fackel zu entzünden, wodurch es den anderen möglich ist, einen Fluchtweg zu erkennen. Eine einzige tiefe Stelle bereitet ihnen Schwierigkeiten dabei und wohl wissend, wer am meisten dort zu kämpfen hat, ruft Jahira dem Drachenkrieger zu: "Ich kann dich werfen!"

"So gut kennen wir uns nicht!", protestiert Hammerfaller.

"Dann ertrink, ich bin hier weg!", schallt es von der Elfe zurück, die mit einem grazilen Sprung über die Senke im Wasser zu schweben scheint.

"Ich lass mich von niemandem werfen..!", murmelt er in seinen Bart und springt vom Trotz beflügelt seinerseits der Elfe hinterher. An ihm vorbei schießt ein Tentakel, das es eindeutig auf die Elfe vor ihm abgesehen hat und diese um nur wenige Fingerbreit verfehlt. Auch Leliana muss ausweichen, während Millerna weniger Glück hat und einen leichten Streifschlag einstecken muss. Ihr Gesicht weist einen roten Striemen an der Stelle auf, an der sie getroffen wurde, wehleidig verzieht sie bei dem Treffer kurz die Miene, rennt aber tapfer weiter.

Nunmehr komplett durchnässt stürzen die sechs Gefährten nach Atem ringend aus der Höhle - vor lauter Zorn über die entgangene Mahlzeit schüttet das Ungetüm den Eingang mit Steinen zu, als seine Tentakel wütend gegen die Gebirgswand trommeln. Ohne groß auf ihre Umgebung zu achten stellen sie erst nach kurzer Zeit fest, dass sie offensichtlich erst tiefer in den Höhlenkomplex vorgedrungen sind und nun wieder einen Aufstieg vor sich haben. Am Ende kommen sie in eine weitere Kammer mit drei identischen Ausgängen. Etwas weiter am Rand befindet sich ein Haufen Gerümpel, das der Zwerg sofort interessiert unter die Lupe nimmt - Leliana hofft unterdessen nur, dass es nirgends einen Hebel gibt, der dem kleinsten aus ihrer Gruppe zum Verhängnis werden könnte. Anstatt eine weitere Katastrophe zu bewirken, entzündet er jedoch einfach ein Feuer aus dem gesammelten Plunder, den er entdeckt hat, damit ihre Kleidung trocknen und sie sich kurz ausruhen können. Den magischen Stab mit der Feuersteinspitze, den er nebenbei gefunden hat, verstaut er verstohlen in dem restlichen Gepäck, das ihm von seinen Gefährten aufgehalst wurde.

Etliche Stunden später, nachdem sie sich eine Ruhepause gegönnt haben, solange bis der Rest an Holz aufgebraucht war und somit das Feuer sich seinem Ende neigt, haben sich die sechs wieder angekleidet um weiter nach einem Ausgang zu suchen. Auf Jahiras feinen Geruchssinn vertrauend haben sie sich für den mittleren Gang entschieden der aus dem Raum führt, in dem sie gerastet haben. Und mit einem Mal stehen sie erneut vor einem - diesmal weitaus größeren und imposanteren - Tor. Dahinter drückt sich eindeutig Feuerschein aus den Spalten zischen den Torflügeln und unten am Boden. Wieder vertrauen die Helden auf das Geschick der Elfe beim Schleichen und lassen sie vorangehen. Sie entdeckt eine Feuerkammer, die hell erleuchtet ist. Magische Fackeln, so scheint es, haben die Jahre überdauert und tauchen die vor ihnen liegenden Räume in wärmendes Licht. Da sie keine konkrete Bedrohung ausmachen kann, bedeutet Jahira ihren Gefährten, ihr zu folgen. Als sich Callahan an ihr vorbei in die Kammer schiebt, betrachtet sie die schwere Panzerung und fragt ihrer Besorgnis des hohen Temperaturanstiegs wegen: "Schaffst du das in deiner dicken Rüstung ohne umzukippen?"

Eine Antwort bleibt der Rondra-Geweihte ihr allerdings schuldig - Trommeln durchbrechen die bisher vorherrschende Stille. Ahnungsvolle Blicke werden ausgetauscht und unsere Helden beginnen erneut eine Flucht mit ungewissem Ausgang. Nachdem sie die erste große Halle hinter sich gelassen haben, betreten sie eine weitaus kleinere - mit zahllosen Skeletten übersäte, wie sie sogleich feststellen sollen. "Schnell raus hier, bevor wir enden wie die da!", murmelt Hammerfaller unglücklich. Das Unbehagen wächst weiter an, inzwischen beeilen sie sich, die Totenstätte hinter sich zu lassen, um nicht deren Schicksal zu teilen. Ein stetig enger und niedriger werdender Gang führt sie fortwährend ins Gebirgsinnere, dann steigt er unvermittelt an. Als sie den Gang verlassen, sehen sie sich einer schmalen Brücke gegenüber, die den einzigen Weg bildet, eine in tiefem Schwarz endende Schlucht zu überqueren. Seinen Landsleuten vertrauend ist Hammerfaller der erste, der sich unversehens über den nur wenige handbreit aus Stein behauenen Übergang wagt - Sir Callahan hat unterdessen alle Hände voll damit zu tun, Jahira und den Rest der Gruppe zum Mitkommen zu bewegen. Es gelingt ihm schließlich, der Elfe genügend Mut zuzusprechen, dass auch Leliana und Millerna sich ihr anschließen. Das Bemerken der verstummten Trommeln lässt am Ende auch Chifuq nicht länger zögern. Mit angehaltenem Atem eilt sie ihren Gefährten hinterher. Ihr Weg endet am Fuß einer Wendeltreppe, die einen Turm hinaufführt.

"Macht das Sinn, da jetzt hoch zu gehen?", wirft sie bedenklich ein.

"Kannst ja wieder zurück!", entgegnet der Zwerg sarkastisch.

"Über die Brücke?! Bist du verrückt?!", blafft sie ihn an.

"So blöd war die Idee mit Packo gar nicht, oder?"

"Und du hättest dann alles getragen?"

Als ob er das jetzt nicht schon die ganze Zeit getan hätte - unwillens, die sinnlose Diskussion fortzuführen, dreht sich der Drachenkrieger um und erklimmt einige zwergische Verwünschungen brummelnd die ersten Stufen.

"Ganz schön heiß hier - oder bin ich das?", bemerkt Millerna plötzlich, doch auch Chifuq ist es bereits aufgefallen. Irgend etwas nähert sich aus der Tiefe und erhellt die Umgebung. Von dieser Warnung beflügelt, rennt die Gruppe die letzten Stufen so schnell sie können hinauf. Mittlerweile vibrieren die Stufen unter ihren Füßen, kleine Gesteinsbrocken lösen sich schon und fallen in die Tiefe. Daraus erhebt sich ein angsteinflößendes Grollen, das den Helden das Blut in den Adern gefrieren lässt...

Chifuq, Jahira und Sir Callahan schwanken, was ihnen das Vorankommen deutlich erschwert - fast ist es für sie zu spät, als sich nun ganze Teile der Wendeltreppe unter ihnen verabschieden. Der gesamte Turm wankt indes und löst sich von der Brücke. Millerna, die ihren ersten - und einzigen - hellen Moment während des gesamten Abenteuers bekommt, springt geistesgegenwärtig als erste von dem todbringenden Turm auf den Felsvorsprung in der Wand vor ihnen. Hammerfaller, Sir Callahan und der Rest bleiben zunächst zurück.

"Wirf mich!", brüllt der Zwerg, seinen Stolz weit hinter sich lassend, da er dem sonst unausweichlichen Tod ins Auge blickt. Eine Hand zieht ihn zurück - es ist Jahira, die den kleinen Krieger an die Amazonen weiterreicht.

Mit besorgtem Blick steht Millerna hilflos in Sicherheit gegenüber und beobachtet voll quälender Anspannung und zur Hilflosigkeit verdammt den Ausgang des Geschehens.

Beflügelt vom Adrenalin packen Chifuq und Leliana je einen Arm des Zwergs, der mit festem Griff die Fackel umklammert - die werden sie gleich sicher wieder brauchen. Mit beherztem Schwung - und deutlich kräftiger als ursprünglich beabsichtigt - geht Hammerfaller auf Reisen. Um sich nicht zu verbrennen oder beim Aufprall zu verletzen, streckt er den Arm mit der Fackel weit nach vorn, ein Schrei der Kampfeslust, um sich selbst Mut zu machen, auf den Lippen, fliegt er über den Abgrund. Die Amazonen haben ganze Arbeit geleistet - schwungvoll landet der Zwerg Fackel voran auf der immer noch reglos dastehenden Elfe. Millerna muss ihn kommen gesehen haben - aber vielleicht ist sie auch zu fasziniert von dem hellen Licht, das rasant auf sie zuhält - jedenfalls weicht sämtliche Luft aus den Lungen der zierlichen Elfe, als der Zwerg wie von einem Katapult abgeschossen aufprallt. Gemeinsam gehen sie zu Boden, leichter Qualm steigt auf und es riecht komisch verbrannt...

Nun ist es an Chifuq, Leliana und Jahira, Sir Callahan den Sprung über den Spalt nachzutun, den der direkt hinter dem Zwerg angetreten hat. Während der Rondra-Geweihte den Zwerg von der leicht benommenen Elfe zieht, kracht es fürchterlich hinter ihnen.

Eine monströse Klaue bohrt sich genau zwischen den Gefährten in den Felsen, die in einer schuppenbewehrten Zehe endet. Größer als ein jeder von ihnen deutet sie auf einen schier unbesiegbaren Gegner hin, dem sie sich lieber nicht stellen wollen. Der gewaltige Drache zieht sich den Abhang zu ihnen herauf, ein zu Orks leckeres Alternativgericht auf dem Speiseplan. Gezwungenermaßen trennen sich Amazonen und Elfe von den anderen drei - sie nutzen entgegengesetzte Gänge, in der Hoffnung, dass wenigstens eine der nun zwei Gruppen damit größere Aussichten aufs Überleben hat.

Chifuq kramt eine Fackel aus ihrem Gepäck und entzündet sie. Orientierungslos folgen sie dem Gang, von einem zum nächsten, hoffend, bald einen Ausweg zu finden. Das Grollen hinter ihnen und Poltern, als der um seine Mahlzeit betrogene Lindwurm zu toben beginnt, macht ein Umkehren unmöglich. Mit einer schroffen Handbewegung bedeutet Jahira den Amazonen, stillzuhalten. "Da vorne klappert was!" Kampfbereit werden Bogen und Säbel gezückt.

"Leute, wir sind's!", kommt es aus der Biegung, erleichtert atmen sie auf, als Zwerg, Elfe und Mittelländer um die Ecke in den Fackelschein treten - und stutzen.

"Was ist denn mit deinen Haaren passiert?!", fragt Leliana und starrt Millerna an.

"Das war der Zwerg...", antwortet sie peinlich berührt und kämpft mit Tränen der Verbitterung, als die Gruppe lauthals zu lachen beginnt ob des abgebrannten Streifens, der die leicht angesengte Kopfhaut mittig ihres Hauptes preisgibt.

"Das wächst sicher bald wieder nach!", hätte der ein oder andere wohl gern gesagt, würde Lachen und kurz darauf ein erneutes unheilvolles Beben sie nicht davon abhalten.

Da sie wohl im Kreis laufen würden, wären sie einem der jeweiligen Gänge gefolgt aus dem sie gekommen waren, untersucht Hammerfaller nun die Felswand in der Hoffnung, einen anderen Ausweg zu finden. Es beginnen abermals Steine von Decke und Wänden zu bröckeln und treiben die Gefährten zu größerer Eile, endlich aus den hiesigen Tunneln zu verschwinden. Glücklicherweise bleibt Sir Callahan der einzige, dem die Vertiefungen entgehen, die auf eine Tür schließen lassen.

"Fest verschlossen", kommentiert Jahira. Chifuq und Leliana wechseln bedeutungsvolle Blicke und schauen Hammerfaller an. Der tippt sich mit dem Finger auf die Stirn und beginnt schleunigst mit dem Aufstemmen der Tür, bevor er als Rammbock missbraucht wird.

Etwas enttäuscht sehen die Amazonen, dass sein Handeln von Erfolg gekrönt ist, zucken die Achseln und folgen ihm. Im dahinter liegenden Raum bemerken sie sofort die minenartigen Ausbauten - ein Schienensystem, angelegt in besseren Tagen, erstreckt sich vor ihren staunenden Augen. Da muss es endlich rausgehen!

Zwei hintereinander stehende Loren machen den Eindruck, noch betriebsfähig zu sein, also verteilen sich die Helden: In der vorderen Sir Callahan, Millerna und Hammerfaller. Die hintere besetzt zunächst Jahira, in der Zwischenzeit beginnen die starken Amazonen damit, die eisernen Transportwagen anzuschieben. Unter protestierendem Ächzen und Quietschen setzen sich die Loren in Bewegung. Jäh nehmen sie Fahrt auf, so dass Chifuq und Leliana keine andere Wahl mehr bleibt, als sich verzweifelt festzuklammern. Sie hängen eine quälend lange Zeit, die ihnen die Muskeln in den Armen zum Brennen bringen, hintendran, bis Jahira es trotz der holprigen Fahrt endlich schafft, sie nacheinander zu sich ins Wageninnere zu ziehen. Was den drei Frauen im hinteren Minenwagen entgeht, bleibt den vorderen drei Gefährten leider nicht verborgen: Angstvoll und mit verschiedenen Graden der Katastrophe, die in ihrer Fantasie Gestalt annehmen, starren sie auf das in wenigen Metern unausweichlich auftauchende Hindernis auf ihrer Strecke: ein gewaltiger Fels hat sich scheinbar vor langer Zeit gelöst und versperrt das Weiterkommen. Ruckartig wird die wilde Fahrt abrupt beendet und führt nach dem Aufprall mit der Blockade in ein Bad im eiskalten Wasser eines Flusses. Sie werden nämlich aus ihren Loren in hohem Bogen herausgeschleudert.

Der Reaktionsfähigkeit Lelianas ist es zu verdanken, dass Hammerfaller nicht ertrinkt - sie packt den Zwerg am Kragen und hält seinen Kopf über Wasser, während eben dieses sie mit sich reißt. Aus der Höhle gespült endet ihr Abenteuer in einem kleinen Teich.

Es ist helllichter Tag - zumindest kommt es ihren an die Dunkelheit gewöhnten Augen wie der glorreichste auf Erden vor - die Vögel zwitschern in den Kronen der umliegenden Bäume und irgendwo raschelt das Unterholz, als eine verschreckte Hirschkuh, die eben noch hier ihren Durst gestillt hat, von den unvermittelt auftauchenden, prustenden und hustenden Gefährten überrascht wird.


Die Gefährten bleiben ohne erhoffte Relikte. Pflichtbewusst teilt Sir Callahan dennoch einem jeden seinen Anteil aus - Jahira spendet ihren aus Empathie der leidenden Millerna, damit sie eine Perücke kaufen kann. Chifuq und ihre Schwester Leliana werden es in Rüstungsteile investieren. Was Hammerfaller damit anstellt? Das weiß nur er selbst. Und ob es ein weiteres Abenteuer geben wird, das sie gemeinsam bestreiten? Geht es nach dem Zwerg, ist es bloß eine Frage der Bezahlung. Die Elfinnen würden wohl beim nächsten Mal auf den Tod eines jeden Orks bestehen, ob bewaffnet oder nicht. Für die Amazonen würde jede Form des Aufstiegs in der Gunst ihrer Göttin Lohn genug sein. Es bleibt also abzuwarten, ob Sir Callahan - dessen Goldbeutel einen herben Schlag erlitten hat - sich noch einmal auf die Suche nach Artefakten begeben möchte.

So trennen sich fürs Erste die Wege der Gefährten.


Auf seinem Pfad nach Hause bemerkt Hammerfaller ein paar vertraute Spuren. Sein Magen knurrt protestierend und ein sadistisches Grinsen verzieht seinen Mund, als er sich mit einem kurzen Blick über die Schultern versichert, keinen seiner tierlieben Gefährten auf den Fersen zu haben. "Jetzt, endlich, gibt es leckeres Steak!", grunzt er vergnügt und leckt sich über die Lippen. Argloses Schnauben in der Nähe zeigt ihm, dass er seinem Ziel nicht mehr fern ist... Tatsächlich: In einer Sackgasse zwischen den Bergen stellt er ihn endlich: Der verirrte Packo hat den Weg nach Hause nicht gefunden, aber dank Sir Callahans Segen auch kein Leid erfahren. Dem Angrosch-gläubigen Drachenkrieger entfällt dieser Sachverhalt jedoch gänzlich - und so wird er von einem Blitz niedergestreckt, der urplötzlich vom Himmel in seine erhobene Axt niederfährt, sowie er zum tödlichen Schlag ausholt. Ein Schnauben erklingt und als ob das Pferd wüsste, was gerade mit ihm hätte geschehen sollen, schreitet es mit stolz erhobenem Haupt an dem am Boden liegenden, paralysierten Zwerg vorbei. Direkt neben seinem Gesicht lässt es, wie zum Abschiedsgruß, einen großen Haufen stinkender Äppel liegen und trabt von Dannen. Erst lange nachdem der Haufen seine Wärme aber keineswegs seinen Gestank verloren hat, schafft es Hammerfaller, sich zu erheben. "Nie wieder Fleisch...", murmelt er mit einem ehrfuchtsvollem Blick gen Himmel. Ein sanfter Schauer fällt auf ihn nieder, als er seine Axt schultert und den Heimweg antritt. Die erste Schankstube, die er findet, wird um ihren gesamten Met- und Biervorrat erleichtert. Das muss ein Zwerg - noch dazu ein Drachenkrieger! - erstmal verkraften... von einem Packpferd geschlagen...!



"Es gibt Menschen, die es nie begreifen
Wir bewerfen sie mit Ziegelsteinen!
Dafür muss man nicht mal auf die Straße gehen -
Ach wie gut, dass wir im Glashaus leben!"

Kommentare 11

  • Ein großes Dankeschön an Sir Callahan , der den Figuren Farbe und damit Leben eingehaucht hat! Ich hoffe, die Betroffenen sind zufrieden, wie ich sie dargestellt habe - falls nicht, ist das auch egal, ich find's super! xD xD xD


    Von links nach rechts:


    Jahira (mit herausragenden Jäger-Fertigkeiten, wie man sieht :P )

    Millerna (mit neuer Frisur :D )

    Hammerfaller (der stets hungrige Zwerg)

    Packo (das tapfere Packpferd - oder Pony)

    Chifuq und Leliana (die immer auf Packo aufpassen)

    Sir Callahan (mit Tourette-Demenz ;) )

    Und natürlich Sturmbringer, der über den Helden schwebt und ihre Geschicke leitet...naja und auch die Ungeschicke xD

  • Echt der Knaller Rebecca. Hab mich wieder köstlich amüsiert. Allerdings kann ich mich an das Ende nicht erinnern.

    Pferdeäpfel, Blitz, Paco? Das ist so nie passiert. 🤣🤣

    • Also Thorsten hat mir da was anderes erzählt, und da er der Spielmeister ist... mir waren praktisch die Hände gebunden *hust*

    • Also ich find das Ende gelungen :P

  • Das ist sooooo guuut ;D Die Geschichte ist total lustig!! Vor allem die Zänkereien dazwischen und die Sache mit der Perücke :D total cool!!!

  • Das nenn ich mal eine Wall of Text xD


    Super geschrieben, Hut ab!


    Tourrette-Demenz... :loel:

    • Und ich hab noch gedacht, es wären mehr Ausschmückungen von nöten :D Thorsten sei Dank habe ich mich umstimmen lassen xD


      Ja, Tourette-Demenz - eine ganz neue Kreation, deinem schlechten Orientierungssinn geschuldet xD

  • Unglaublich gut!!!

    Hammermäßig geschrieben und mit den dazu gehörenden Erinnerungen ein wahrer Hochgenuß zu lesen :D

    • So viel sei verraten... es gibt aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst auch noch was für's Auge... xD Also bleibt dran... *grins*

  • Hut ab Rebecca. Wunderbare Umsetzung unseres DSA Spieleabend beim letzten Gildentreffen. 👍🏼

    • Danke sehr :D Ich hoffe doch, es entspricht den Erwartungen :)